Elektrik im Altbau erneuern: Warnzeichen und Kosten
Veraltete Elektrik ist ein unterschätztes Sicherheitsrisiko – so erkennen Sie Handlungsbedarf
In vielen Altbauten in Hannover ist die Elektrik seit Jahrzehnten nicht mehr angefasst worden. Was auf den ersten Blick funktioniert, kann ein ernstes Sicherheitsrisiko sein. Hier erfahren Sie, woran Sie veraltete Elektrik im Altbau erkennen und was eine Erneuerung kostet.
Ein reales Beispiel – von der alten Sicherung bis zum neuen Sicherungskasten
Aus einem veralteten Zählerschrank mit Schraubsicherungen und analogem Ferraris-Zähler wurde ein moderner, übersichtlich beschrifteter Sicherungskasten mit FI-Schutzschaltern und eigenem Netzwerkverteiler.
Woran erkenne ich veraltete Elektrik?
- Zweiadrige Leitungen: Ohne Schutzleiter (Erdung) entsprechen sie nicht mehr den heutigen Sicherheitsstandards.
- Schraubsicherungen statt Sicherungsautomaten: Alte Porzellan-Sicherungen im Zählerschrank sind ein klares Alterszeichen.
- Kein FI-Schutzschalter (RCD): Schützt bei Fehlerströmen vor Stromschlägen – in vielen Altbauten schlicht nicht vorhanden.
- Häufig auslösende Sicherungen: Ein Hinweis auf Überlastung durch zu wenige Stromkreise für die heutige Gerätenutzung.
- Zu wenige Steckdosen: Mehrfachsteckdosen und Verlängerungskabel als Dauerlösung sind ein Warnsignal.
Zwei weitere Punkte, die man nur mit geübtem Blick erkennt: stoffummantelte Leitungen, deren Isolierung nach Jahrzehnten brüchig wird und beim Berühren regelrecht zerbröselt, sowie Aluminiumleitungen aus den 1970er-Jahren. Aluminium neigt zum Kriechen unter Klemmverbindungen – die Kontakte lockern sich mit der Zeit, es entstehen Übergangswiderstände und damit Wärme an den Klemmstellen.
Bei einer Kernsanierung zeigt sich dieser Zustand oft erst nach der Entkernung – wie auch in unserem Referenzprojekt Altbausanierung Hannover Südstadt, wo die komplette Elektrik erneuert wurde.
Was heute Standard ist
Eine neue Elektroinstallation wird nach den aktuell gültigen Normen der Reihe DIN VDE 0100 ausgeführt. Für Sie als Eigentümer sind vor allem diese Punkte relevant:
- FI-Schutzschalter (RCD) mit 30 mA. Für Steckdosenstromkreise im Wohnbereich ist er bei neu errichteten Anlagen vorgeschrieben. Er unterbricht den Stromkreis innerhalb von Millisekunden, wenn Strom einen ungewollten Weg nimmt – etwa durch einen Menschen. Das ist der wirksamste Einzelschutz gegen einen tödlichen Stromschlag.
- Ausreichend getrennte Stromkreise. Früher hingen ganze Etagen an einer Sicherung. Heute erhalten Küche, Bad, Waschmaschine und Beleuchtung eigene Kreise. Fällt einer aus, bleibt der Rest der Wohnung nutzbar – und die Leitungen werden nicht dauerhaft an der Belastungsgrenze betrieben.
- Zeitgemäßer Zählerschrank. Alte Verteilungen bieten schlicht keinen Platz für die heute nötigen Automaten, FI-Schalter und Überspannungsschutz. Bei einer Erneuerung wird der Schrank nach den Technischen Anschlussbedingungen des Netzbetreibers – in Hannover ist das enercity – gesetzt und plombiert.
- Potentialausgleich. Metallische Rohrleitungen, Heizung und Fundamenterder werden auf ein gemeinsames Potential gelegt. In Altbauten fehlt das oft komplett.
- Steckdosenanzahl nach RAL-RG 678. Diese Richtlinie gibt Mindestausstattungen je Raum vor. Praktisch heißt das: eher zu viele Steckdosen als zu wenige – nachträglich wird jede einzelne teuer.
Zum Abschluss der Arbeiten gehört eine Prüfung nach DIN VDE 0100-600 mit Messprotokoll. Dieses Protokoll ist Ihr Nachweis, dass die Anlage normgerecht errichtet wurde – heben Sie es gut auf, Versicherungen fragen im Schadensfall danach.
Wie die Erneuerung abläuft
- Bestandsaufnahme und Planung. Wir erfassen den Ist-Zustand und legen mit Ihnen fest, wo Steckdosen, Schalter, Leuchtenauslässe und Netzwerkdosen sitzen sollen. Dieser Termin lohnt sich: Änderungen auf dem Papier sind kostenlos, Änderungen in der geschlitzten Wand nicht.
- Anmeldung beim Netzbetreiber. Arbeiten am Zählerplatz dürfen nur eingetragene Installationsbetriebe ausführen und müssen bei enercity angemeldet werden.
- Schlitzen und Dosen setzen. Der staubintensivste Teil. Wir arbeiten mit Absaugung, ganz ohne Staub geht es aber nicht.
- Leitungen verlegen. Neue Mantelleitungen werden eingezogen, Verteilerdosen gesetzt und die Stromkreise aufgebaut.
- Zählerschrank montieren und anschließen.
- Verputzen und Endmontage. Nach dem Verschließen der Schlitze werden Schalter, Steckdosen und Abdeckungen gesetzt.
- Messung, Protokoll und Übergabe.
Wichtig für die Reihenfolge im Gesamtprojekt: Die Elektrik gehört zu den ersten Gewerken nach dem Rückbau – lange vor Estrich, Fliesen und Malerarbeiten. Wie sich das in den Gesamtablauf einfügt, zeigt unser Artikel zum Ablauf einer Kernsanierung.
Was kostet die Erneuerung der Elektrik?
| Umfang | Einfach | Mittel | Hochwertig |
| Elektroinstallation Wohnung | 9.500 € | 10.500 € | 12.500 € |
| Elektrik inkl. Zähler-/Sicherungskasten (Kernsanierung Haus) | 16.000 € | 24.000 € | 35.000 € |
Richtwerte – Details finden Sie auch in unseren Artikeln zur Haussanierung und Wohnungssanierung.
Häufige Fragen zur Elektrik im Altbau
Woran erkenne ich veraltete Elektrik im Altbau?
Typische Warnzeichen sind zweiadrige Leitungen ohne Schutzleiter, alte Schraubsicherungen statt Sicherungsautomaten, das Fehlen von FI-Schutzschaltern sowie häufig auslösende Sicherungen.
Was kostet die Erneuerung der Elektrik?
Bei einer Wohnung liegen die Kosten für die Elektroinstallation zwischen ca. 9.500 € und 12.500 €. Bei einer Kernsanierung inklusive neuem Zähler- und Sicherungskasten sind es meist 16.000 € bis 35.000 €.
Ist ein FI-Schutzschalter Pflicht?
Bei Neuinstallationen und größeren Modernisierungen schreibt die aktuelle Norm FI-Schutzschalter vor. In Altbauten ohne diese Absicherung besteht ein erhöhtes Risiko bei Fehlerströmen.
Kann ich die Elektrik abschnittsweise erneuern?
Grundsätzlich ja, etwa raumweise. Wirtschaftlich ist das aber selten, weil Schlitzen, Verputzen und Malerarbeiten dann mehrfach anfallen. Sinnvoller ist es, die Elektrik im Zuge einer ohnehin geplanten Sanierung komplett zu erneuern.
Bekomme ich ein Protokoll über die neue Elektroinstallation?
Ja. Zum Abschluss gehört eine Prüfung nach DIN VDE 0100-600 mit Messprotokoll. Es belegt, dass die Anlage normgerecht errichtet wurde – bewahren Sie es auf, Versicherungen fragen im Schadensfall danach.
Alle genannten Preise sind unverbindliche Richtwerte und können je nach Umfang der Arbeiten abweichen.
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