Schimmelsanierung in Hannover: erst die Ursache, dann der Befall
Warum Überstreichen nichts bringt, ab wann ein Fachbetrieb ran muss und was eine fachgerechte Sanierung kostet
Schimmel ist kein Hygieneproblem und kein Zeichen von Nachlässigkeit. Schimmel ist immer ein Feuchteproblem. Ohne Wasser wächst kein Pilz – und genau deshalb entscheidet sich der Erfolg einer Sanierung nicht an der Wand, sondern an der Frage, woher die Feuchtigkeit kommt.
Das ist der Grund, warum so viele Schimmelsanierungen scheitern. Die Stelle wird gereinigt, gestrichen, vielleicht mit einem Spray behandelt – und im nächsten Winter ist sie wieder da. Solange die Ursache steht, kommt der Befall zurück.
Was Sie über Anti-Schimmel-Mittel wissen sollten
Das Umweltbundesamt wird in diesem Punkt ungewöhnlich deutlich: Firmen, die Schimmelbefall ausschließlich mit Desinfektionsmitteln bekämpfen wollen, gelten als unseriös.
Der Grund ist einfach. Das sichtbare Dunkle an der Wand ist nur der Fruchtkörper. Das eigentliche Pilzgeflecht sitzt im Putz, in der Tapete, im Gipskarton. Ein Mittel, das die Oberfläche bleicht, erreicht es nicht. Eine fachkundige Sanierung entfernt das befallene Material und verzichtet auf den großflächigen Einsatz fungizider oder biozider Wirkstoffe – auch das eine ausdrückliche Empfehlung des Umweltbundesamtes.
Die fünf Ursachen, die wir in Hannover am häufigsten finden
1. Wärmebrücken
An Außenwandecken, hinter Heizkörpernischen, an Rollladenkästen und Deckenanschlüssen ist die Wandoberfläche kälter als im übrigen Raum. Warme Raumluft trifft dort auf eine kalte Fläche, die Feuchtigkeit schlägt sich nieder. Typisch für Gebäude der 1950er bis 1970er Jahre, die in Hannover einen großen Teil des Bestandes ausmachen.
2. Dichte Fenster ohne Lüftungskonzept
Der häufigste Fall nach einer Teilsanierung. Alte Fenster waren undicht und haben rund um die Uhr unbemerkt gelüftet. Neue Fenster unterbinden das vollständig. Die Feuchtigkeit aus Duschen, Kochen, Wäschetrocknen und Atmen – mehrere Liter pro Tag in einem Haushalt – bleibt im Raum. Das Umweltbundesamt weist ausdrücklich darauf hin, dass nach dem Einbau dichter Fenster intensiver gelüftet werden muss. Wer das nicht will, braucht eine Lüftungslösung.
3. Aufsteigende Feuchte im Sockelbereich
In Altbauten ohne funktionierende Horizontalsperre zieht Wasser aus dem Erdreich in das Mauerwerk. Erkennbar an Salzausblühungen, abplatzendem Putz und einem Schadensbild, das an der Wand nach oben ausläuft. Hier hilft kein Anstrich, sondern nur eine nachträgliche Abdichtung.
4. Undichtigkeiten und Rohrschäden
Ein tropfender Anschluss hinter der Vorwand, eine schadhafte Duschabdichtung, ein undichtes Dach. Solche Schäden arbeiten lange unbemerkt, weil das Wasser im Bauteil bleibt. Auffällig wird meist erst der Schimmel – oft mehrere Meter von der Leckage entfernt.
5. Neubaufeuchte und Restfeuchte nach dem Umbau
Estrich, Putz und Mauerwerk bringen erhebliche Mengen Wasser ins Gebäude. Wird zu früh belegt oder tapeziert, schlägt sich diese Feuchtigkeit ihren Weg. Deshalb messen wir vor dem Aufbau, statt nach Kalender zu arbeiten.
Selbst beseitigen oder Fachbetrieb?
Das Umweltbundesamt zieht eine klare Grenze:
Unter 0,5 m², nur oberflächlich
Selbst möglich
Aber nicht, wenn Sie allergisch auf Schimmel reagieren, an einer chronischen Atemwegserkrankung leiden oder ein geschwächtes Immunsystem haben.
Größer oder in die Tiefe gehend
Fachbetrieb
Nach UBA-Schimmelleitfaden, Biostoffverordnung und DGUV-Information 201-028 – unabhängig von der Größe.
Die 0,5 m² entsprechen etwa einer Fläche von 70 × 70 cm. Wichtig ist der Zusatz „nur oberflächlich“: Sobald der Befall im Putz oder hinter der Tapete sitzt, greift die Regel nicht mehr – unabhängig von der Größe.
So läuft eine fachgerechte Sanierung ab
- Ursache ermitteln. Feuchtemessung im Bauteil, Oberflächentemperaturen, gegebenenfalls Wärmebild. Ohne diesen Schritt ist alles Weitere Glücksspiel.
- Ursache abstellen. Leckage beheben, Abdichtung erneuern, Wärmebrücke entschärfen, Lüftung nachrüsten. Das ist der eigentliche Kern der Arbeit.
- Arbeitsbereich abschotten. Staubdichte Abtrennung und Unterdruckhaltung, damit Sporen nicht in die übrige Wohnung gelangen.
- Befallenes Material zurückbauen. Tapete, Putz, Gipskarton, Dämmung – so weit, bis intakter Untergrund erreicht ist.
- Trocknen. Technische Trocknung, bis eine Messung bestätigt, dass der Untergrund wieder trocken ist. Nicht bis ein Termin es verlangt.
- Feinreinigung. Absaugen mit Filtergeräten der Klasse H, Wischreinigung der Umgebung.
- Wieder aufbauen und kontrollieren. Neuer Putz, neuer Anstrich – und eine Nachkontrolle, meist nach der ersten Heizperiode.
Bei größeren Schäden geht die Schimmelsanierung häufig in eine Wohnungssanierung oder Kernsanierung über – dann ist der Bauteilaufbau ohnehin offen, und die Ursache lässt sich dauerhaft beseitigen statt nur zu entschärfen.
Was eine Schimmelsanierung kostet
Ursachenermittlung
250 – 600 €
Kleiner Befall
500 – 1.500 €
Raum sanieren
2.500 – 6.000 €
Bauliche Ursache
nach Aufwand
Richtwerte aus unserer Praxis in Hannover und Umgebung, inklusive Material, Arbeitszeit und Entsorgung. Ein verbindliches Angebot erstellen wir nach der Besichtigung – bei Schimmel geht das seriös nicht per Telefon.
Zur gesundheitlichen Einordnung
Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Schimmelbelastung und Atemwegsbeschwerden. Sporen können allergische und reizende Reaktionen auslösen. Einen Schwellenwert, ab dem es gefährlich wird, gibt es nicht – deshalb gilt beim Umweltbundesamt das Vorsorgeprinzip: Schimmel in Innenräumen ist ein hygienisches Problem und sollte beseitigt werden, bevor Beschwerden auftreten. Wir sind Handwerker, keine Ärzte: Bei anhaltenden Beschwerden ist der Hausarzt die richtige Adresse, nicht wir.
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Häufige Fragen zur Schimmelsanierung
Kann ich Schimmel selbst entfernen?
Das Umweltbundesamt nennt eine klare Grenze: Kleineren Befall von weniger als 0,5 m², der nur oberflächlich sitzt, können Sie selbst beseitigen – allerdings nur, wenn Sie nicht allergisch auf Schimmel reagieren, nicht an einer chronischen Atemwegserkrankung leiden und kein geschwächtes Immunsystem haben. Alles darüber gehört in die Hände einer fachkundigen Firma. Und in jedem Fall gilt: Ohne Beseitigung der Feuchteursache kommt der Schimmel zurück.
Reicht es, die Stelle zu überstreichen oder mit Anti-Schimmel-Spray zu behandeln?
Nein. Farbe verdeckt den Befall, beseitigt ihn aber nicht – das Pilzgeflecht sitzt im Untergrund weiter. Das Umweltbundesamt wird hier ungewöhnlich deutlich: Firmen, die Schimmelbefall ausschließlich mit Desinfektionsmitteln bekämpfen wollen, gelten als unseriös. Eine fachkundige Sanierung entfernt das befallene Material und verzichtet auf den großflächigen Einsatz fungizider oder biozider Wirkstoffe.
Muss die Schimmelart bestimmt werden?
Für die Entscheidung, ob saniert wird, nicht. Das Umweltbundesamt arbeitet mit dem Vorsorgeprinzip: Es gibt keinen wissenschaftlich belegten Schwellenwert, ab dem Schimmel gesundheitlich bedenklich wird. Schimmel in Innenräumen ist ein hygienisches Problem und gehört beseitigt, bevor Beschwerden auftreten. Eine Laboranalyse kann sinnvoll sein, wenn die Ursache unklar ist oder es um eine rechtliche Auseinandersetzung geht.
Woher kommt der Schimmel nach dem Fenstertausch?
Das ist einer der häufigsten Fälle, die wir in Hannover sehen. Alte Fenster waren undicht und haben unbemerkt gelüftet. Neue, dichte Fenster unterbinden das. Die Feuchtigkeit aus Duschen, Kochen und Atmen bleibt im Raum und schlägt sich an der kältesten Stelle nieder – meist einer Außenwandecke. Das Umweltbundesamt weist ausdrücklich darauf hin, dass nach dem Einbau dichter Fenster intensiver gelüftet werden muss. Sauberer ist eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.
Was kostet eine Schimmelsanierung?
Ein kleiner, oberflächlicher Befall an einer Wandecke liegt meist bei 500 bis 1.500 €. Muss Putz zurückgebaut, das Mauerwerk getrocknet und der Aufbau erneuert werden, sind 2.500 bis 6.000 € realistisch. Kommt eine bauliche Ursache dazu – eine Wärmebrücke, eine defekte Abdichtung, ein Rohrschaden – richtet sich der Preis nach deren Beseitigung. Die Ursachenermittlung selbst kostet in der Regel 250 bis 600 €.
Wie lange dauert eine Schimmelsanierung?
Der Rückbau und die Reinigung sind oft an ein bis drei Tagen erledigt. Den Zeitplan bestimmt fast immer die Trocknung: Feuchtes Mauerwerk braucht je nach Durchfeuchtung ein bis vier Wochen mit technischen Trocknern. Erst wenn eine Messung bestätigt, dass der Untergrund wieder trocken ist, wird neu aufgebaut. Wer diesen Schritt überspringt, hat den Schimmel im nächsten Winter zurück.
Fachliche Grundlage dieses Beitrags ist der Leitfaden „Zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden“ des Umweltbundesamtes in der Fassung von 2024 sowie die Informationen des Umweltbundesamt zu Schimmel in Innenräumen.
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