Wärmepumpe im Altbau: Fußbodenheizung mit 25 mm statt neuem Estrich
Ein abgeschlossenes Projekt – 110 m² Dachgeschosswohnung, saniert 2026
„Im Altbau geht das nicht“
Das ist der Satz, den wir zum Thema Wärmepumpe am häufigsten hören. Meist folgt eines von zwei Argumenten: Die alten Heizkörper brauchen zu hohe Vorlauftemperaturen. Oder eine Fußbodenheizung sei ohne neuen Estrich nicht machbar – und der gehe im Altbau nicht, wegen Aufbauhöhe, Gewicht und Trocknungszeit.
Beides stimmt im Kern. Beides ist lösbar. Wie, zeigen wir an einer Dachgeschosswohnung mit rund 110 m², die wir 2026 kernsaniert haben. Geheizt wird sie heute mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe – und der Boden, in dem die Heizung liegt, ist derselbe Dielenboden wie vorher.
Warum die Vorlauftemperatur über alles entscheidet
Eine Wärmepumpe wird nicht dadurch sparsam, dass sie neu ist. Sie wird sparsam, wenn sie das Wasser nur mäßig erwärmen muss. Je kleiner der Abstand zwischen Außenluft und benötigter Wassertemperatur, desto weniger Strom braucht sie für dieselbe Wärme.
Die Größenordnung: Klassische Heizkörper aus den 1970er-Jahren sind auf rund 70 °C ausgelegt. Eine Fußbodenheizung kommt mit 30 bis 35 °C aus. Zwischen diesen beiden Betriebspunkten liegt beim Stromverbrauch grob ein Faktor von eineinhalb bis zwei.
Deshalb lautet die Frage nie „Wärmepumpe ja oder nein“, sondern immer: Bekomme ich die Vorlauftemperatur herunter? Und dafür braucht es Fläche.
Das Problem mit dem Estrich
Eine klassische Fußbodenheizung liegt in Estrich. Der bringt drei Probleme in den Altbau:
- Aufbauhöhe. 60 bis 80 mm – Höhe, die zwischen vorhandenen Türen, Fensterbrüstungen und Treppenanschlüssen niemand übrig hat.
- Gewicht. Je nach Aufbau 120 bis 150 kg pro Quadratmeter. Eine Holzbalkendecke im Dachgeschoss gibt das oft nicht her.
- Zeit. Vier bis sechs Wochen Trocknung, bevor der Belag darf. Bei einer zu vermietenden Wohnung ist das der teuerste Posten überhaupt – auch wenn er auf keiner Rechnung steht.
Der Bestand: Der alte Belag ist raus, der Dielenboden bleibt.
Die Lösung: Trockensystem mit 25 mm Aufbau
Wir haben eine Trockenbau-Fußbodenheizung verlegt. Die Systemplatten aus XPS werden direkt auf den vorhandenen Dielenboden gelegt. In die eingefrästen Kanäle kommen Wärmeleitbleche, darin liegen die Heizrohre. Die Bleche übernehmen die Aufgabe, für die sonst der Estrich zuständig ist: Sie verteilen die Wärme in die Fläche, statt sie über dem Rohr zu bündeln.
| Merkmal | Nass-Estrich | Trockensystem |
| Aufbauhöhe | 60–80 mm | 25 mm |
| Trocknungszeit | 4–6 Wochen | keine |
| Zusatzlast auf der Decke | hoch | gering |
| Bodenbelag danach | frei wählbar | frei wählbar |
Verlegt wurden Platten im Format 1200 × 600 × 25 mm mit Kopfzonenelementen, Verlegeabstand 150 mm, Heizrohr 16 × 2 mm, dazu umlaufend Randdämmstreifen. Alle Kreise laufen auf einen Edelstahlverteiler mit Durchflussmengenanzeige für 12 Heizkreise – jeder Raum ist damit einzeln einregulierbar.
25 statt 70 Millimeter. Das ist der Grund, warum in dieser Wohnung eine Wärmepumpe möglich war, ohne Türen zu kürzen oder die Decke zu verstärken.
Die Anlage
Eingebaut ist ein Samsung Mono Block HT-QT mit 12 kW, dreiphasig, mit Regeleinheit. „Mono Block“ heißt: Der komplette Kältekreis sitzt im Außengerät, ins Haus führen nur zwei wassergeführte Leitungen. Damit entfallen Kältemittelleitungen durch die Wohnung – im bewohnten Altbau ein spürbarer Unterschied beim Aufwand.
Zwei getrennte Heizzonen und die Warmwasserbereitung.
Die Anlage fährt zwei getrennte Heizzonen plus Warmwasser. Getrennte Zonen sind bei einer Dachgeschosswohnung kein Luxus: Räume unter der Schräge mit großen Fensterflächen verhalten sich thermisch völlig anders als ein innenliegender Flur.
Für die Außeneinheit entstand zunächst ein Fundament. Die Anlage steht dauerhaft im Freien und darf sich nicht setzen – sonst leidet die Hydraulik, und das Kondensat läuft nicht dorthin, wo es hin soll.
Ohne gedämmte Hülle rechnet es sich nicht
Im selben Zug wurden sämtliche Dachschrägen gedämmt. Das ist keine Nebensache, sondern Voraussetzung: Ohne gedämmte Hülle braucht die Anlage an kalten Tagen doch wieder hohe Vorlauftemperaturen – und dann ist der Vorteil weg, für den man sie gekauft hat.
Die Reihenfolge wird oft falsch herum gemacht: erst die Hülle, dann die Technik. Wer zuerst die Heizung tauscht und danach dämmt, hat eine Anlage gekauft, die auf den alten, schlechten Wärmebedarf ausgelegt wurde. Sie läuft anschließend dauerhaft überdimensioniert, taktet häufiger und verschleißt schneller. Umgekehrt reicht nach der Dämmung oft ein kleineres und günstigeres Gerät.
Was es gekostet hat
Alle Beträge stammen aus den Schlussrechnungen dieses Projekts, brutto.
Die Wärmepumpe
| Position | Kosten |
| Samsung Mono Block HT-QT 12 kW, dreiphasig, inkl. Regeleinheit | 21.367 € |
| Handwerksleistung Installation der Heizungsanlage | 4.040 € |
| Verbrauchs- und Anschlussmaterial | 2.017 € |
| Planung, Heizlastberechnung, Koordination | 1.184 € |
| Elektroarbeiten zum Anschluss | 1.184 € |
| Bodenarbeiten für die Aufstellung der Außeneinheit | 1.071 € |
| Summe | 30.863 € |
Die Fußbodenheizung
| Position | Kosten |
| Installation der Fußbodenheizung | 6.545 € |
| Trockensystem mit Kopfzonenelementen, 1200 × 600 × 25 mm | 4.950 € |
| Heizrohr 16 × 2 mm, 100 m | 1.666 € |
| Anschlussmaterial zum Verteiler | 1.390 € |
| Edelstahlverteiler mit Durchflussmengenanzeige, 12 Heizkreise | 649 € |
| Randdämmstreifen | 160 € |
| Summe | 15.361 € |
Zusammen 46.224 € brutto für die komplette Wärmeerzeugung und -verteilung einer 110-m²-Wohnung. Zwei Drittel entfallen auf die Wärmepumpe, ein Drittel auf die Flächenheizung.
Die Position „Planung und Heizlastberechnung“ wirkt auf den ersten Blick verzichtbar. Sie ist es nicht: An der Auslegung entscheidet sich der spätere Stromverbrauch, nicht am Fabrikat. Eine Wärmepumpe, die zwei Nummern zu groß gewählt wurde, taktet im Teillastbetrieb und verbraucht mehr.
Nicht enthalten sind Dämmung, Bodenbeläge und der übrige Innenausbau – die liefen als Teil der Gesamtsanierung.
Zur Förderung
Dieses Projekt wurde ohne Förderantrag umgesetzt, als freie Sanierung. Für den Einbau einer Wärmepumpe gibt es über die KfW einen Zuschuss – welche Sätze gelten und welche Fristen zu beachten sind, haben wir hier zusammengestellt: Heizungsförderung KfW 458.
Die sinnvolle Reihenfolge, wenn Sie darüber nachdenken: erst die Heizlast nach der geplanten Dämmung berechnen lassen, dann die Anlage auslegen, dann den Antrag stellen. Andersherum wird es teuer.
Fertig: Die Heizung liegt unsichtbar im Boden.
Häufige Fragen zur Wärmepumpe im Altbau
Geht eine Wärmepumpe im Altbau überhaupt?
Ja, wenn die Vorlauftemperatur niedrig genug wird. Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern ob genügend Heizfläche vorhanden ist und die Gebäudehülle gedämmt wurde. In diesem Projekt haben wir eine 110 m² große Dachgeschosswohnung mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe ausgestattet – möglich wurde das durch eine Fußbodenheizung mit nur 25 mm Aufbauhöhe.
Braucht eine Fußbodenheizung immer neuen Estrich?
Nein. Ein Trockensystem wird direkt auf den vorhandenen Boden gelegt: Systemplatten mit eingefrästen Kanälen, darin Wärmeleitbleche und die Heizrohre. Der Aufbau beträgt 25 mm statt 60 bis 80 mm bei Nass-Estrich, und es entfällt die Trocknungszeit von vier bis sechs Wochen.
Was kostet eine Wärmepumpe mit Fußbodenheizung?
In diesem Projekt waren es 46.224 € brutto: 30.863 € für die Wärmepumpe samt Planung, Elektroanschluss und Aufstellung, 15.361 € für die Fußbodenheizung mit 12 Heizkreisen auf rund 110 m². Die Beträge stammen aus den Schlussrechnungen dieses Projekts.
Warum ist die Heizlastberechnung wichtig?
Weil sich an der Auslegung der spätere Stromverbrauch entscheidet. Eine zu groß gewählte Wärmepumpe taktet im Teillastbetrieb, verschleißt schneller und verbraucht mehr. Die Berechnung gehört vor die Geräteauswahl – und nach die Entscheidung über die Dämmung.
Erst dämmen oder erst die Heizung tauschen?
Erst dämmen. Wer zuerst die Heizung tauscht, lässt die Anlage auf den alten, schlechten Wärmebedarf auslegen. Nach der Dämmung ist sie dann dauerhaft überdimensioniert. Umgekehrt reicht oft ein kleineres und günstigeres Gerät.
Passend dazu: Was kostet eine Wärmepumpe?, Heizungsförderung KfW 458, Energetische Sanierung und das Gesamtprojekt in Seelze, aus dem dieses Beispiel stammt. Ein zweites Projekt mit Fußbodenheizung im neuen Estrich: Altbauwohnung in der Nordstadt.
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